Portrait von Landwirt Andreas Hohloch

"Wenn ich Hunger hab, schlachte ich ein Huhn."

Der Komposthaufen an der Straße zwischen Potsdam und Werder ist mannshoch. Davor, unscheinbar und leicht zu übersehen, ein Schild mit der Aufschrift „Obst & Gemüseverkauf“. Fünfzig Meter davon entfernt, etwas versteckt hinter Bäumen und Sträuchern, sitzt Andreas Hohloch auf seiner in die Jahre gekommenen Hollywoodschaukel. Drei seiner Hühner haben den Weg aus einem Loch im Zaun gefunden und scharren und picken im matschigen Boden.

Er ist wohl einer der unkonventionellsten Bauern hier in der Gegend. Sein landwirtschaftlicher Betrieb besteht aus einem halben Hektar Ackerland, einem Auslauf für seine 30 Hühner, einem Holzschuppen. Sein kleiner Selbstbedienungsladen ist Tag und Nacht, Sommer wie Winter, für die Kunden geöffnet. Neben der Tür hängt ein Schild: Bitte nicht mehr klauen!!

Hier verkauft Hohloch die Früchte seiner Arbeit. „Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Kürbis… Fast alles ökologisch. Ausschließlich heimisches und saisonales. Aber mein Trend geht eher Richtung Obst. Ich liebe Obstanbau. Äpfel, Birnen, Pflaumen und verschiedene Beeren.“

Mit diesem kleinen Stück Land ist er aufgewachsen. Zu DDR-Zeiten haben seine Eltern hier Obst und Gemüse angebaut und sich etwas dazu verdient. Hohloch hat Maschinenbau studiert, danach in der Sowjetunion und der BRD Landmaschinen konstruiert und nach der Wende sein eigenes Ingenieurbüro gegründet. Als dann aber der größte Auftraggeber wegbracht und sein Vater gesundheitlich nicht mehr in der Lage war das Land zu bewirtschaften, hat Hohloch sich entschieden den kleinen Familienbetrieb zu übernehmen.

Viel verdient er nicht mit seinem Stück Land. Nicht einmal den Mindestlohn, sagt er. Ab und zu wird auch das Geld aus der Kasse geklaut. „Aber ich bin glücklich, ich will‘s nicht anders machen. Empfehlen kann ich‘s aber nicht. Es ist ein entbehrungsreiches Leben. Aber es ist auch ein freies Leben.“

Die tägliche körperliche Arbeit auf dem Feld sieht man ihm und seinen Händen an. Er hält sein Gesicht in die noch schwache Februarsonne und nimmt einen Schluck aus seiner Kaffeetasse. Am meisten freue er sich, sagt er, wenn er hin und wieder von einem seiner Freunde Besuch bekommt. Dann nämlich kann er hier draußen, auf dem kleinen runden Tisch vor seiner Schaukel, seiner zweiten großen Leidenschaft nachgehen. „Ich spiele Schach. Im Club. Und kann bis zum siebenten, achten Zug die Partie durchrechnen. Da kannste nicht ganz dumm sein!“, bemerkt er nicht ohne Stolz.

Ob er zurechtkomme mit seinem geringen Einkommen? Meistens schon. „Ich muss mir ja wochenlang kein Essen kaufen, ich hab‘ ja alles. Wenn ich Hunger hab, schlachte ich ein Huhn.“

Im nächsten Jahr wird er 55. Und Jahr für Jahr geht ihm die Arbeit mehr in die Knochen. „Am schlimmsten sind die Winter. Die Kälte und die Dunkelheit machen‘s immer trist hier draußen so allein.“ 

Heute will Hohloch noch in seine Apfelbäume. Die an den kleinen Schuppen gelehnte Leiter wartet schon. „Das ist eine Arbeit, die mich immer etwas euphorisch werden lässt. Wenn die Zeit gekommen ist die Obstbäume zurück zu schneiden, dann weiß ich: der Winter ist schon fast geschafft.“