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Straßenverkauf

Sechs Jahre lang habe ich in Brandenburg gelebt. Und eine Sache vermisse ich ganz besonders: den Straßenverkauf.

 

Im Sommer geht es immer los, bis Mitten in den Herbst hinein. Dann stellen Menschen in den größeren und kleineren Ortschaften in ganz Brandenburg Tische, Schubkarren oder Regale an die Straßenränder. Bestückt mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten. Auch selbstgemachter Saft, Marmelade, Blumen, Eier und Honig können mit etwas Glück gefunden werden. Hier ist sie wieder zu spüren, die DDR. Gerade die Älteren können es nicht lassen, das mit der Selbstversorgung. Was für Familie und Freunde zu viel ist, wartet dann, mal in der heißen märkischen Sonne, mal beschirmt, am Straßenrand auf einen Abnehmer.

 

Es ist fast immer ein persönlicher, manchmal fast intim anmutender Einkauf. Jeder Stand ein Unikat. Aufgestellt, mal mit Blick für Details und viel Kreativität, mal praktisch und pragmatisch. Mal wurde nur schnell ein Tisch für die üppige Apfelernte aufgestellt, ein handgemaltes Pappschild daneben. Mal gibt es professionelle Verkaufsstände, die beinah jedes Obst und Gemüse der Saison anbieten. Das Geld wird, je nach Vertrauen und Erfahrungen der Gärtner und Gärtnerinnen, in eine kleine Plastikschale oder eine abgeschlossene Metallkassette geworfen.

 

Die Qualität der feilgebotenen Waren ist fast immer ausgezeichnet. Die Äpfel knackig, die Tomaten süß, von den Trauben aus dem Hausgarten ganz zu schweigen … Ein altes und unaufgeregtes Verkaufskonzept. Und trotzdem geradezu genial. Solange das mitgenommene Gemüse auch tatsächlich bezahlt wird natürlich. Sicherlich gibt es schlechtere Hobbys als das Versorgen eines Nutzgartens. Und die Käufer können sich der Frische, Regionalität und Saisonalität ihres Gemüses sicher sein.

 

Warum gibt es das nicht überall in Deutschland?

 

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